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Potenziale aktivieren

Partizipative Gestaltung der Gesundheitsförderung vor Ort

Auf kommunaler Ebene sollten Politik und Verwaltung in enger Zusammenarbeit mit den zivilgesellschaftlichen Akteuren Strategien und Konzepte erarbeiten, um zielgerichtete Angebote zur Gesundheitsförderung älterer Menschen nach und nach zu verbessern und zu optimieren.

Auf welche Weise partizipative Prozesse zur Verbesserung der Angebote zur Gesundheitsförderung in der Kommune gestaltet werden können, wurde im Rahmen des BAGSO-Projektes „Im Alter IN FORM – Gesunde Lebensstile fördern“ in vier Pilotkommunen erprobt. Die Erfahrungen aus diesem Projekt und der Beteiligungsprozess sind im BAGSO-Handbuch „Länger gesund und selbständig im Alter – aber wie?“ umfassend beschrieben.

In dem Praxishandbuch wird vorgestellt, wie auf kommunaler Ebene die Gesundheitsförderung älterer Menschen initiiert und dauerhaft etabliert werden kann. Das Handbuch gibt eine umfassende Anleitung zur Planung und Gestaltung eines zielführenden Beteiligungsprozesses in Kommunen.

Der Planungsprozess lässt sich in sieben Schritten der Beteiligung zusammenfassen:

1. Schritt:

Daten und Fakten sowie Entwicklungstendenzen zur Situation älterer Menschen ermitteln. Handlungsbedarf auswerten

2. Schritt:

Etablierung einer Steuerungsgruppe zur Gestaltung eines partizipativen Prozesses. Zielsetzungen und Vorgehensweise vereinbaren

3. Schritt:

Informations- und Öffentlichkeitsarbeit planen und umsetzen zur Information der Träger und Akteure in der Seniorenarbeit und im Gesundheitsbereich sowie der Zielgruppen der älteren Menschen

4. Schritt:

Stärken- und Schwächen analysieren. Analyse zu den vorhandenen Angeboten und Maßnahmen zur Gesundheitsförderung für ältere Menschen

5. Schritt:

Schulung für Akteure zur Verbesserung der Gesundheitskompetenz und zur Umsetzung von gesundheitsförderlichen Angeboten in der Seniorenarbeit

6. Schritt:

Erarbeitung von wünschenswerten Verbesserungen zur Gesundheitsförderung. Vereinbarung einer Prioritätenliste, Umsetzungspläne

7. Schritt:

Evaluierung des Prozesses und der Ergebnisse sowie Vereinbarung von weiteren Maßnahmen zur weiteren Verbesserung.

Bereit für Veränderung?

Der Siebte Altenbericht der Bundesregierung zeigt: Die Unterstützungsstrukturen und Netzwerke für die Betreuung, Versorgung und Pflege älterer Menschen sind in den Kommunen sehr unterschiedlich ausgeprägt. Speziell die Strukturen zur Koordination der Gesundheitsförderung und auch die Bandbreite von zielgruppengerechten Angeboten sind in den Kommunen sehr heterogen. Dies kann verschiedene Ursachen haben und auf unterschiedlichen sozialen, kulturellen, historischen oder wirtschaftlichen Entwicklungen in den Kommunen beruhen.

Ob eine Kommune in der Gesundheitsförderung bereits gut aufgestellt ist oder weniger gut, lässt sich mit dem „Community Change Readiness Model“ (Modell zur Veränderungsbereitschaft von Kommunen) darstellen. Das Modell beschreibt neun verschiedene Stufen der Veränderungsbereitschaft von Kommunen. Anhand dieses Modells wird anschaulich, inwieweit die Gestaltung der Gesundheitsförderung bzw. die Entwicklung von Strategien und Zielsetzungen zur Gesundheitsförderung in einer Kommune bereits vorangebracht wurden oder noch in den Kinderschuhen stecken.

Mehr zum Community Change Readiness Model

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Bei der Entwicklung des Modells wurden anhand empirischer Untersuchungen sechs Dimensionen der Veränderungsbereitschaft von Kommunen herausgearbeitet. Diese beschreiben Schlüsselfaktoren, die großen Einfluss darauf haben, ob eine Kommune vorbereitet ist auf eine Herausforderung zu reagieren.

Die sechs Schlüsselfaktoren sind:

  1. Anstrengungen in der Kommune: In welchem Maße werden für die Gesundheitsförderung Anstrengungen unternommen? Sind Programme und Leitlinien zur Gesundheitsförderung vorhanden?
  2. Wissen der Gemeinde über die Anstrengungen der Kommune: In welchem Maße sind die Bürgerinnen und Bürger über die lokalen Anstrengungen zur Gesundheitsförderung und ihre Wirkungen informiert? Inwieweit stehen entsprechende Informationen allen Menschen zur Verfügung?
  3. Führung: In welchem Maße unterstützen Führungspersönlichkeiten und wirkungsmächtige Personen die Vorhaben zur Gesundheitsförderung?
  4. Klima in der Kommune: Wie lässt sich die vorherrschende Haltung der Menschen in der Kommune zum Thema Gesundheitsförderung beschreiben? Ist eher ein Klima der Ratlosigkeit vorherrschend oder gibt es in der Kommune ein ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein für Gesundheitsförderung und die Bereitschaft zur Eigenverantwortung?
  5. Das Wissen in der Gemeinde zu dem Thema: In welchem Maße wissen die Bürgerinnen und Bürger etwas über die Ursachen der Probleme im Bereich der Gesundheitsförderung und deren Folgen und Auswirkungen in der Kommune?
  6. Ressourcen zur Gestaltung in dem Themenfeld: In welchem Umfang stehen vor Ort Ressourcen – verantwortliche Akteure, verfügbare Zeit, Geld und Raum –zur Verfügung, um die Entwicklungen in der Gesundheitsförderung zielorientiert zu gestalten?

Der Status in diesen verschiedenen Bereichen ist maßgeblich für eine generelle Einordnung der Kommune in das Neun-Stufen-Modell zur Veränderungsbereitschaft von Kommunen. In der folgenden Grafik sind die neun Stufen der Veränderungsbereitschaft beschrieben.

Methodik des Modells

Im Rahmen des Modells zur Veränderungsbereitschaft von Kommunen wurde ein umfassender Interviewbogen zur Befragung von Stakeholdern und von Bürgerinnen und Bürgern entwickelt. Die Auswertung der Erhebungen ermöglicht eine klare Aussage über den Status der Kommune in Bezug auf die oben genannten Dimensionen.

Die Gesamtbetrachtung aller Dimensionen führt dann zur Feststellung, auf welcher Stufe der Veränderungsbereitschaft die Kommune steht. Auf dieser Basis können gezielt Strategien und Maßnahmen in allen Dimensionen erarbeitet und umgesetzt werden, die die Kommune dann von Stufe zu Stufe zur Verbesserung der Gesundheitsförderung vor Ort führen. So können Strukturen und Angebote etabliert werden, die nachhaltig zur Gesundheitsförderung beitragen.

Das Modell wurde im Rahmen eines Forschungsprojektes zum Thema „Bewegung im Alter“ vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie – BIPS in Bremen eingesetzt.

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Weiterführende Informationen

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BAGSO-Praxishandbuch
Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO): Länger gesund und selbstständig im Alter – aber wie? Potenziale in Kommunen aktivieren. Bonn, 2014.
Website

Arbeitshilfen
Auf der Internetplattform „Kooperationsverbund Gesundheitliche Chancengleichheit“ sind umfassende Arbeitshilfen zu verschiedenen Themen der Gesundheitsförderung in der Kommune für alle Zielgruppen veröffentlicht. Die Arbeitshilfen bestehen aus sieben Heften:
Teil 1: Gesunde Lebenswelten schaffen
Teil 2: Probleme erkennen - Lösungen finden
Teil 3: Ein Projekt entwickeln
Teil 4: Präventiv handeln: Ernährung - Bewegung - Stressbewältigung
Teil 5: Erfahrungen nutzen - Qualität stärken
Teil 6: Gesund und aktiv älter werden
Teil 7: Gemeinsam handeln - Chancen verbessern
Website

BZgA-Reader
Qualitätsmanagement in Gesundheitsförderung und Prävention – Grundsätze, Methoden und Anforderungen. Hrsg. von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Köln: BZgA, 2001 (Forschung und Praxis der Gesundheitsförderung, Bd. 15)
Download

IN FORM-Leitfaden
Online-Leitfaden zur Qualitätssicherung

 

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