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Lebensstile

Einfluss des Lebensstils auf die Gesundheit

Menschen aller Bevölkerungsschichten erachten Gesundheit als ein hohes Gut. Das Verständnis von Gesundheit, die Formen des Umgangs mit der eigenen Gesundheit und die Wahrnehmung von Präventionsangeboten sind jedoch in den Lebenswelten der Menschen unterschiedlich ausgeprägt. Gesundheit ist auch eine Frage der sozialen Lage, der Lebensauffassung und des Milieus. Für die Gesundheitsvorsorge und Prävention ist somit die Fragestellung relevant: Wie wirken sich unterschiedliche Lebensstile und milieuspezifische Einstellungen auf das Gesundheitsverhalten aus?

Neben der Definition verschiedener Lebensstile anhand der Sinus-Studie wird im Folgenden der Einfluss des Lebensstils auf das Gesundheitsverhalten skizziert.

Informationen zu den Sinus-Milieus finden Sie hier.

Lebensstile und ihre Charakteristika

Mit Lebensstil ist eine bestimmte Art und Weise der Lebensführung eines Menschen gemeint. Der Lebensstil stellt ein relativ stabiles, regelmäßig wiederkehrendes Muster der alltäglichen Lebensführung dar und ist geprägt von Wertorientierungen, Einstellungen, Vorlieben, Handlungen und Aktionen.

Das Sinus-Institut hat zur Beschreibung der Lebenswelten der Menschen in Deutschland die Sinus-Milieus entwickelt. Dieses Modell klassifiziert zehn Gruppen von Menschen, die sich hinsichtlich ihrer Lebensauffassungen und Lebensstile ähneln. Neben soziodemografischen Daten sind in der Beschreibung der verschiedenen Milieus die soziale Lage, die grundlegenden Wertorientierungen und die Wünsche und Zukunftserwartungen der Bundesbürger erfasst.

Die Sinus-Milieus nehmen die Menschen vor dem Hintergrund ihrer alltäglichen Lebenswelt in den Blick und ermöglichen es damit, Zielgruppen präziser zu differenzieren. Ursprünglich wurde das Modell der Sinus-Milieus für die Marketing- und Kommunikationsarbeit von Konsumgüter-Unternehmen entwickelt. Heute wird das Modell nicht nur von Wirtschaftsunternehmen genutzt, sondern dient in vielen anderen gesellschaftlichen Bereichen als Instrument zur Zielgruppensegmentation. Besonders auch im Bereich der Gesundheitsförderung und Prävention eignet sich das Sinus-Modell, um passgenaue Angebote an differenzierte Zielgruppen zu adressieren.

Nach dem Sinus-Modell lassen sich zehn Lebensstil-Milieus in Deutschland unterscheiden. Das aktuelle Modell ist auf der Website des Sinus-Instituts verfügbar. Das Modell ist in einem interaktiven Sinus-Milieu-Schema dargestellt, dem Hintergrundtexte hinterlegt sind, die Definitionen zu den zehn Milieus enthalten.

Die Charakteristika der Sinus-Milieus in Kurzform

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Konservativ-Etabliertes Milieu (10 %):

Das klassische Establishment. Charakteristisch sind Erfolgs- und Führungsanspruch, Standesbewusstsein und gesellschaftliche Verantwortung, Ordnung und Balance.

Liberal-intellektuelles Milieu (7 %):

Die aufgeklärte Bildungselite. Sie ist geprägt von einer liberalen Grundhaltung und dem Anspruch auf Selbstbestimmung und Selbstentfaltung.

Performer (8 %):

Die effizienzorientierte Leistungselite. Kennzeichnend sind global-ökonomisches Denken, bewusster Konsum, Stilbewusstsein, hohe Affinität zu Technik und IT.

Expeditives Milieu (8 %):

Die ambitionierte kreative Avantgarde. Sie zeichnet sich aus durch Zielstrebigkeit, Innovation und Kreativität, Mobilität, Nonkonformismus.

Adaptiv-pragmatisches Milieu (10 %):

Die moderne junge Mitte. Gemeinsame Werte sind Weltoffenheit, Leistungs- und Anpassungsbereitschaft, Pragmatismus und Flexibilität; gleichzeitig besteht ein starkes Bedürfnis nach Verankerung und Zugehörigkeit.

Bürgerliche Mitte (13 %):

Das leistungs- und anpassungsbereite Bürgertum. Es bejaht die Gesellschaftsordnung, wünscht sich gesicherte Verhältnisse und Harmonie; gleichzeitig bestehen zunehmende Abstiegsängste.

Sozialökologisches Milieu (7%):

Gesellschaftskritisches Milieu mit normativen Vorstellungen vom „richtigen“ Leben. Charakteristisch sind ein ausgeprägtes ökologisches und soziales Gewissen sowie eine kritische Haltung gegenüber der Wachstums- und Konsumgesellschaft. Gemeinsame Werte sind Nachhaltigkeit und kulturelle Vielfalt.

Traditionelles Milieu (13 %):

Die Sicherheit und Ordnung liebende ältere Generation. Kennzeichnend sind konservative Wertvorstellungen wie Bodenständigkeit, Bescheidenheit, Sparsamkeit, Anpassung an die Notwendigkeiten; gleichzeitig besteht das Gefühl des Abgehängtseins und zunehmender Resignation.

Prekäres Milieu (9 %):

Die um Orientierung und Teilhabe bemühte Unterschicht. Sie hat den Wunsch nach Konsum, Zugehörigkeit und Anerkennung, leidet häufig unter sozialer Benachteiligung und Ausgrenzung.

Hedonisten (15 %):

Die spaß- und erlebnisorientierte moderne Unterschicht. Kennzeichnend sind ein spontaner Konsumstil, berufliche Angepasstheit und Ausbrechen aus den Zwängen des Alltags in der Freizeit.

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Lebensstile Älterer und ihr Gesundheitsverhalten

In der Gesundheitsförderung und Prävention stehen gesundheitliche Aspekte eines bestimmten Lebensstils im Vordergrund. Unter anderem dienen die Sinus-Milieus einem besseren Verständnis darüber, was die Menschen bewegt und wie sie zu Verhaltensänderungen motiviert werden können. Auf dem Sinus-Modell basierende Studien geben Aufschluss darüber, in welchen gesellschaftlichen Milieus das Bewusstsein für Gesundheitsvorsorge vorhanden ist und welche Gemeinsamkeiten die Menschen aus den jeweiligen Milieus im Bezug auf ihr Gesundheitsverhalten aufweisen.

Eine Milieu-Studie zur Gesundheit aus dem Jahr 2011 zeigt: Die Bereitschaft der Menschen, Verantwortung für ihre eigene Gesundheit zu übernehmen, ist in den verschiedenen Milieus unterschiedlich ausgeprägt.

In den gehobenen gesellschaftlichen Milieus (konservatives, liberales, traditionelles Milieu, bürgerliche Mitte und Performer) wird die Eigenverantwortung klar und offen gefordert und umgesetzt. Die Haltung, mit dem hohen Gut Gesundheit verantwortungsvoll umzugehen, führt zur Eigeninitiative. Die Menschen haben den Anspruch, selbst etwas für ihre Gesundheit zu tun, und setzen diese Selbstverpflichtung in die Realität um.

Im hedonistischen, expeditiven und prekären Milieu spielt Gesundheit eher eine untergeordnete Rolle. Argumente wie Gesundheit sei vererbt oder zu kostspielig und damit nicht finanzierbar verhindern oftmals einen gesundheitsfördernden Lebensstil. (Vgl. Norbert Arnold 2011)

Die Sinus-Studie unterscheidet grundsätzlich nicht nach Altersgruppen. Jedoch kann festgehalten werden, dass ältere Menschen eher in der bürgerlichen Mitte und im traditionellen Milieu anzutreffen sind. Auch aufgrund ihres Alters und zunehmender Erkrankungshäufigkeiten sind sie eher offen für Gesundheitsthemen. Dies bedeutet aber nicht, dass ältere Menschen aus gesundheitlichen Gründen zum Beispiel ihre Ernährungsgewohnheiten ohne weiteres aufgeben oder ihr Bewegungsverhalten ändern. Hier bedarf es der individuellen Motivation, um den eigenen Lebensstil gesundheitlichen Erfordernissen anzupassen.

Literaturhinweise

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Sinus Sozial- und Marktforschung: Informationen zu den Sinus-Milieus.
Download

Sinus Sozial- und Marktforschung: Die Sinus-Milieus, 2015.
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Sinus Sozial- und Marktforschung: Die Sinus-Milieus in Deutschland.
Website

Norbert Arnold: Vielfalt und Selbstbestimmung im Gesundheitssystem – Wege aus der sozialen Ungleichheit. In: Chancengleichheit im Gesundheitssystem von Carsten Wippermann, Norbert Arnold, Heide Möller-Slawinski, Michael Borchard, Peter Marx, VS Verlag für Sozialwissenschaften, 2011.

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