Es folgt der Inhaltsbereich:

Altersbilder

Die Vielfalt des Alters beachten

Die in der Gesellschaft dominierenden Altersbilder werden der Vielfalt der Lebensstile und Lebensumstände älterer Menschen oftmals nicht gerecht. Die Potenziale für ein aktiveres Leben im Alter ebenso wie die Risiken und Grenzsituationen im Verlauf des Älterwerdens werden nicht ausreichend differenziert wahrgenommen. Die Gestaltung einer altersfreundlichen Gesellschaft hängt aber in erheblichem Maße von differenzierten Altersbildern ab.

Wie werden unsere Altersbilder geprägt?

Schaut man sich Flyer oder Werbeprospekte für die Zielgruppe der Seniorinnen und Senioren an, so sind dort ältere Menschen in recht unterschiedlicher Weise abgebildet. Mal sind es ältere Menschen auf Weltreise, beim Radeln in schöner Natur oder die Großeltern, die mit ihren Enkeln spielen. Es finden sich aber ebenso Fotos, auf denen ältere Menschen eher gebrechlich und hilflos erscheinen, zum Beispiel in Broschüren von stationären Einrichtungen oder in Presseberichten über den „Pflegenotstand“.

Welches Bild bei jedem Einzelnen im Kopf entsteht, wenn man das Thema Alter(n) anspricht, hängt von verschiedenen individuellen Vorstellungen ab. Zunächst spielt der persönliche Bezug zu älteren Menschen, etwa das Bild der Eltern oder Großeltern, oder das berufliche Umfeld zum Beispiel in der Geriatrie oder in der stationären Einrichtung eine Rolle. Welche Art von Personen man vor Augen hat, hängt aber auch davon ab, welche Ansicht im jeweiligen sozialen Umfeld über ältere Menschen vertreten wird.

Beispielsweise ist es für viele Akteure in der Seniorenarbeit nicht vorstellbar, auch für Menschen im sehr hohen Alter Bewegungsangebote zu initiieren. Hochaltrige, die regelmäßig Bewegungsübungen absolvieren, um Körper und Geist fit zu halten, passen nicht in jedes Altersbild.

Fotos, Medienaussagen und Schlagzeilen spiegeln wider, welches Altersbild vorherrscht und in den Vorstellungen von Menschen präsent ist.

Sechster Altenbericht: "Altersbilder in der Gesellschaft"

Der Sechste Altenbericht zum Thema "Altersbilder in der Gesellschaft" stellt sehr umfassend dar, welche Wirkung negativ bzw. positiv besetzte Altersbilder haben.

Altersbilder wirken in vielen Bereichen unseres Lebens. Sie haben großen Einfluss darauf, was jüngere Menschen für ihr Alter erwarten, und darauf, was Ältere sich zutrauen. Daher sollten alle gesellschaftlichen Akteure und auch ältere Menschen selbst für negative Auswirkungen von falschen oder pauschalisierenden Altersbildern sensibilisiert werden. Zum Beispiel können sich in unangemessenen Altersbildern Vorurteile oder diskriminierende Einstellungen gegenüber älteren Menschen manifestieren. Altersstereotype sind in großen Teilen der Gesellschaft nach wie vor verbreitet. Ziel des im Jahr 2010 von der Bundesregierung verabschiedeten Sechsten Altenberichtes war es daher, zu einer realistischen Einschätzung der heutigen älteren Generation zu gelangen. Dabei wurden vielfach veraltete oder unangemessene Altersbilder in Frage gestellt und neue Altersbilder entwickelt, die der Vielfalt des Lebens im Alter besser entsprechen.

Altersbild – Was ist das?

„Altersbilder sind individuelle und gesellschaftliche Vorstellungen vom Zustand des Altseins, vom Prozess des Älterwerdens oder allgemein von älteren Menschen als Gruppe.“ (Sachverständigenkommission des Sechsten Altenberichtes).

Empfehlungen der Altenberichtskommission

Der sechste Altenbericht arbeitet wirklichkeitsnahe Altersbilder heraus und versucht, diese durch eine öffentliche Debatte in der Gesellschaft zu verankern. Denn vielfach beruhen aktuell vorherrschende Altersbilder noch auf der Wahrnehmung früherer Generationen und werden oft mit Krankheit und Verfall in Verbindung gebracht.

Der Bericht kommt zu dem Schluss: Ohne ein differenziertes Altersbild, das den vielen Facetten dieses Lebensabschnittes Rechnung trägt, ist eine altersfreundliche Gesellschaft nicht denkbar. Ein Altersbild, das auf den Erfahrungen, den Kompetenzen und Fähigkeiten älterer Menschen basiert, trotz körperlicher und geistiger Einschränkungen ihre Lebensleistung im Blick hat, wirkt positiv sowohl auf die älteren Menschen selbst als auch auf das Umfeld.

Die Empfehlungen der 6. Altenberichtskommission lauten abschließend:

  1. Den demografischen Wandel als Gestaltungsaufgabe verstehen.

  2. Eine neue Kultur des Alters entwickeln.

  3. Lebenslauforientierung stärken und Altern als individuelle und gesellschaftliche Gestaltungsaufgabe begreifen.

  4. Bildung als Recht und Pflicht für alle Lebensalter anerkennen.

  5. Negative und positive Diskriminierungen aufgrund des Alters vermeiden.

  6. Zu einer neuen Sicht des Alters in der Arbeitswelt gelangen.

  7. Gesundheitspolitik an eine Gesellschaft des langen Lebens anpassen.

  8. Zu einem erweiterten Verständnis von Pflege finden.

  9. Selbst- und Mitverantwortung in der Zivilgesellschaft fördern.

  10. Kulturelle Unterschiede erkennen und gestalten.

Altenbericht

Sechster Bericht zur Lage der älteren Generation in der Bundesrepublik Deutschland – Altersbilder in der Gesellschaft. Hrsg. vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Berlin/Bonn, 2010. Der Bericht steht auf der Website des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zum Download zur Verfügung: Deutscher Bundestag, Drucksache 17/3815

Weitergehende Informationen und Materialien

Altersbilder in der Gesellschaft: Broschüren, Websites, Literaturhinweise

weiter

Eine neue Kultur des Alterns. Altersbilder in der Gesellschaft – Erkenntnisse und Empfehlungen des Sechsten Altenberichts. Hrsg. vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Berlin, 5. Auflage, 2014

Die Broschüre "Eine neue Kultur des Alterns" fasst die Erkenntnisse und Empfehlungen des Sechsten Altenberichts zusammen. Die Broschüre zeigt auf, welchen Einfluss Bilder vom Alter(n) in den verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen auf uns haben und warum es so wichtig ist, solche Bilder vom Alter in der Öffentlichkeit zu kommunizieren, die differenziert und realistisch sind und die der Vielfalt des Alters gerecht werden.
Download der Broschüre

Die Internetseite „Programm Altersbilder“ des Bundesministeriums für Familien, Senioren, Frauen und Jugend beinhaltet eine Vielfalt von Materialien, die zur Sensibilisierung von Akteuren sowie Mitbürgerinnen und Mitbürgern sinnvoll genutzt werden können. Die Website stellt Broschüren, Fotoreihen, Karikaturen und Filme rund um das Thema Altersbilder zur Verfügung und informiert über Projekte und Aktionen wie die ausleihbare Wanderausstellung „Was heißt schon alt?“
Internetseite „Programm Altersbilder“

Literaturhinweise:

Susanne Wurm, Frank Berner, Clemens Tesch-Römer: Altersbilder im Wandel. In: Aus Politik und Zeitgeschichte: Alternde Gesellschaft (APuZ 4–5/2013). Hrsg. von der Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2013.
Download

Lernen von Verena Klusmann: Ein positives Altersbild hält gesund. In: Wirtschaftspsychologie aktuell, 2014. Berlin: Deutscher Psychologen Verlag.
Download

Frank Berner, Judith Rossow, Klaus-Peter Schwitzer (Hg.): Individuelle und kulturelle Altersbilder. Expertisen zum Sechsten Altersbericht der Bundesregierung. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften / Springer Fachmedien Wiesbaden, 2012.
E-Book

Stefanie Graefe, Silke van Dyk, Stephan Lessenich: Altsein ist später. Alter(n)snormen und Selbstkonzepte in der zweiten Lebenshälfte. In: Der Unfallchirurg, Ausgabe 8/2012. Berlin: Springer Medizin Verlag.
E-Artikel

Altersbilder in anderen Kulturen. Studie des Instituts für Gerontologie der Universität Heidelberg im Auftrag der Robert Bosch Stiftung und des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Herausgegeben von der Robert Bosch Stiftung, Stuttgart, 2009.
Download

schließen